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April 28, 2013

Zug der Verdienstlichkeit

Eine Kora umschlingt das Kloster. Die religiöse Umrundung von heiligen, tibetischen Stätten in Richtung der Zeit. Der Pfad ist gesäumt von 108 Mühlen des Gebets. 108 entsprechend der stetig wiederkehrenden, heiligen Zahl des Buddhismus.

Das Orchester der quietschenden Gebetsmühlen säuselt das andauernde Lied der Klage. Jeder Zug an ihnen hegt die Verdienstlichkeit des Gläubigen und erlöst von negativem Karma. Die Händel der Gebetsmühlen fühlen sich ölig und glatt an. Abgetragen vom Zahn der Zeit und dem Dienst der Findenden.

Allmorgendlich begehen Gläubige jeden Alters die Kora. So vielfältig die farbenkräftigen Gewänder der  Gläubigen, so unterschiedlich ihre Art des Pilgerns. Junge Männer umschreiten die Kora mit starkem Blick und festem Glauben und geben jeder einzelnen Mühle einen kräftigen Zug, der sie noch lange klagen lässt. Ältere begnügen sich damit jede einzelne achtsam zu berühren. Die Ältesten schreiten tief gebeugt auf wackligen Beinen und festem Stock nebenher, jede Mühle sanft im Geiste tastend.

Die Kora zieht sich entlang der grünen Berge. Vorbei an den Türmen aus neonfarbenen, ausgeblichenen Synthetikfahnen, deren Flattern das Gebet der Gläubigen in den Himmel trägt. Ein weißer Flaum aus kleinen geflügelten Pferden umgibt die Türme. Eingefangen auf kleinen, quadratischen Zettelchen, spenden die rituellen Windpferde Frieden und Harmonie.

Tibetische Menschen erinnern nur wenig an die Han-Chinesen, die bisher meinen Weg kreuzten. Die Farbe ihrer Züge zeugt von der höhenmäßigen Nähe zu den Höheren. Tiefe Kerben prägen ihre Gesichter und konservieren einen Ausdruck der Zufriedenheit. Wie ein Spiegel wirken ihre Gesten. Ein Appell an seine Beobachter.

Allerorts blickt das Samsara. Jenes immerwährende Lebensrad von Werden und Vergehen. Das Durchschreiten der Welt des Leidens hindurch in die Erlösung. Gegangen wird viel. Das Gehen als Ausdruck des Werdens.

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