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März 18, 2012

Der mittlere Weg

Wer das konsumgesäumte Gefängnis der keuchenden Ballungsgebiete hinter sich lässt, wer es wagt der Gesellschaft des Spektakels für eine Weile zu entsagen, wird in der Welt des Vajrayana ein Fahrzeug zur Atempause vorfinden.  Dreitausend Meter näher am Himmel öffnet sich die Pforte in eine beseelende Parallelwelt.

Der umgebende Wind wiegt das Grün der umschlingenden Berge. Greifvögel am blau-weißen Himmel gleiten Spiralen in seinem Hauch. Die Farbenpracht wird eingefangen von den Türmen der Gebetsfahnen, die flatternd das Leid des Samsara säuseln. Im Vorhof des Himalajas lädt der mittlere Weg des tibetischen Buddhismus zur Realitätsflucht.

Eine holprige Sandstraße entzweit den Ort. Vereinzelte Motorradtaxis knattern die Straße hinauf. Auf der Ladefläche führen die purpurnen Kutten der stolz stehenden Mönche ein Tanzduett mit dem Fahrtwind auf, dem aufgewirbelten Staub der Straße stets einen Tanzschritt voraus. Alle eilen dem Kloster Labrang entgegen, dem geistigem Zufluchtsort tausender Mönche und Yogis, die mich mit interessierten Blicken beäugen.

Nach Tagen überfüllter Milionenmetropolen wirkt Xiahe wie der westliche Frieden, den Xi’An versprach.

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