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März 9, 2012

Gesellige Düsternis

Plötzlich ist es dunkel. Gemurmel beginnt den Raum auszufüllen. “Stromausfall”, so heißt es. Ich schnappe mein Tsingdao und begebe mich nach draußen.

Die Seitenstraße füllt sich mit Menschen. Männer mit Taschenlampen laufen umher. Alles versammelt sich um einen Strommast. In zweiter Reihe werden Klappstühle für die Alten herangeschafft. Voll freudiger Erwartung richten sich alle Augen nach oben.

Grelles Licht erfüllt die Straße. Ein Kleinbus kommt angefahren, dem Männer in Uniformen und Bauhelmen entspringen. Emsig klettern sie auf das Dach des Wagens. Sicherheitsgurte bringen sie auf die Höhe des Problems. Sie hämmern, gestikulieren, schrauben, schreien. Die Menge gibt erregt Anweisungen.

Nach einer halben Stunde scheint es geschafft. Ein neuer Transistor herangeschafft und befestigt. Die Menge begibt sich respektvoll drei Schritte zurück. Ein zögerlicher Arbeiter löst die Stromunterbrechung. Ein Zurren ist zu vernehmen. Die spärlichen Lichter der Straße erwachen. Ein kurzes nüchternes “Mhh” geht durch die Menge. Es klingt wie ein “Haben wir’s doch gesagt”. Sie packt ihre Klappstühle und verschwindet im Nebel der Nacht.

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