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Februar 4, 2011

Erlegung des Nianshou

Tief in den chinesischen Weiten weilt das Nianshou (年兽). Jenes fleischfressende Ungetüm, das Albträume bei kleinen Chinamenschen und Händereiben bei Feuerwerksproduzenten hervorruft. Jährlich zum Frühlingsfest gilt es die Bedrohung mit überdimensionalen Knallfröschen einzudämmen, ehe das Scheusal alle 1.400.000.000 Chinesen vertilgt.

Tage vor dem Erscheinen des Ungetüms ragen allerorts meterlange Stände in den Himmel. Fleißig deckt sich die besorgte Bevölkerung mit den nötigen Utensilien zur Selbstverteidigung aus. Schwere Lkws sichern eine stetige Versorgung. Auf Sackkarren zerren gespannte Gesichter ihre gestapelten Errungenschaften in die heimischen Festungen. Rote Papierfetzen und Schwaden von Schwarzpulver zeugen von sorgenvoller Erregtheit.

Der Kampf entbrennt in tiefster Nacht. Lang und heftig peitscht der Schall durch gähnende Straßen ins überforderte Ohr. Strahlende Lichtmalereien zwängen sich zwischen Häuserschluchten und treffen das staunende Auge. Das Nianshou wehrt sich. Lauter. Prächtiger. Die 15 Tage anhaltende Erlegung hat begonnen.

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