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Februar 8, 2011

Empfang des Hasen

Für gewöhnlich haben Jahreswechsel einen eher formellen und technischen Charakter. Im Prinzip verständigt sich die Menschheit darauf, dass die Jahreszahl eine Scheibe weitergedreht wird. Weder am Gang der Sonne noch am Verhalten der Tiere lassen sich Veränderungen ablesen. Normalerweise.

In China lässt sich dieser Tage wenig über den Gang der Sonne aussagen. Verdeckt von dichten Rauchschwaden der nicht endenden Feuerwerksartillerie fällt es schwer, sie zwischen den himmlischen Leuchtkörpern auszumachen. Allerorts kreuzen wild gewordene Hasen meine Wege. Ob aus Hartplastik mit mangamäßigen Kulleraugen oder mit flauschigen Schlappohren. In 15×15 cm Käfigen durch die Menschenmengen chauffiert.

Zwischendurch laden die hiesigen Tempel dazu ein, das Jahr des Hasen auf spirituelle Weise einzuweihen. Jahrtausende alte kaiserliche Opferzeremonien paaren sich mit menschengroßen Bugs Bunny Kostümen. Überdimensionierte rosa Räucherstäbchen mischen sich mit pikanten Grillspießchen. Löwentänze mit Hochzeitsmessen. Jahrmarktspiele. Straßenartisten. Mengen. Mengen. Menschenmengen. Tempel des Tands. Tradition gewordener Kitsch. 新年快乐.

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